Die Yashica 8 PE-RS ist ein Standbildbetrachter für Super-8-Filme. Sie (Yashica klingt so weiblich) besteht aus einem Monitor mit etwa 15 cm Durchmesser, zwei Armen, die rechts und links ausgeklappt werden können und die eine niedliche Kurbel zwecks Bewegen der darüber gespannten Filmrolle aufweisen, sowie einer recht kompliziert anmutenden Linse-Haken-Fokus-Apparatur vorne. Hergestellt wurde dieses Meisterstück japanischer Ingenieurskunst irgendwann in den frühen siebziger Jahren. Der Bewohner eines Hauses in der Lottumstraße in Berlin-Prenzlauer Berg wurde dessen im August 2006 überdrüssig und stellte es auf die Straße, wo ich es auflas.
Was kann man mit diesem sehr frühen und sehr analogen Vorläufer aktueller Bildwiedergabegeräte heute noch anfangen? Wer nicht einen Keller voll Urlaubsfilme aus der Prä-VHS-Ära erbt und sich unbedingt längst verstorbene Verwandte beim Sonnenbrand holen am Steinhuder Meer oder der Adria anschauen will, steht ratlos vor dem bizarren Gerät. Es wird zum Staubfänger, zum nutzfreien Platzschlucker, zu etwas, das, getreu dem Motto "Vielleicht brauche ich es noch einmal" oder "Das war mal sehr teuer in der Anschaffung" in der untersten Schublade traurig vor sich hin rottet. Spätestens beim Umzug heißt es dann: weg mit Schaden.
Die Kunst liegt in der Dekontextualisierung. Seiner ursprünglichen Bestimmung ist das Gerät längst beraubt (s.o.) - entziehe man ihm also auch noch die logische Umgebung. Yashica macht einen Spaziergang durch den nächtlichen Prenzlauer Berg und den vormittäglichen Friedrichshain, fällt aus einem Fahrradkorb, gerät in eine Baustelle, ruht sich auf einer Parkbank aus, freundet sich mit einem verlorenen Kinderschuh an. Sie entwickelt ein Eigenleben.
Alltägliche Gegenstände wie Glascontainer, Schaltkästen oder Autoanhänger werden zu Statisten eines surrealen Settings. Eine banale Straßenszene erfährt durch das Subjekt, das dort nicht hingehört, eine Dramatisierung. Was sonst keine Beachtung findet, wird plötzlich interessant - ansteckende Abstraktion.
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Projekt Dekontextualisierung:
To be continued. Auf weitere Verwertung warten: eine stehen gebliebene Normaluhr; ein Tischrechner anno 1973; ein weißes Wählscheibentelefon (60er Jahre).